Richtig lüften und heizen: So beugen Sie Schimmel vor

Schimmel · Von Andreas Karl Hölzel · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Raum mit Feuchteschaden an der Wand

Kurz gesagt

Um Schimmel vorzubeugen, sollten Sie mehrmals täglich für einige Minuten stoßlüften statt die Fenster dauerhaft zu kippen, die relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent halten und Räume nicht stark auskühlen lassen. Feuchtigkeit vom Duschen, Kochen und Wäschetrocknen sollte direkt nach draußen gelüftet werden, und große Möbel brauchen einige Zentimeter Abstand zur Außenwand.

Warum entsteht so viel Feuchtigkeit in der Wohnung?

Atmen, Duschen, Kochen, Pflanzen und Wäschetrocknen geben täglich mehrere Liter Wasser an die Raumluft ab – in einem Vier-Personen-Haushalt können es mehr als zehn Liter sein. Diese Feuchtigkeit muss regelmäßig nach draußen. Bleibt sie in der Wohnung, schlägt sie sich an den kältesten Flächen nieder: Dort entsteht Schimmel.

Wie lüfte ich richtig?

  • Stoßlüften statt Kippen: Fenster mehrmals täglich ganz öffnen – am besten gegenüberliegende Fenster gleichzeitig (Querlüften).
  • Kipplüften vermeiden: Gekippte Fenster tauschen kaum Luft aus, kühlen aber die Laibungen aus – genau dort bildet sich dann Schimmel.
  • Feuchte sofort ablüften: nach dem Duschen, Kochen und Bügeln direkt lüften und die Tür zum übrigen Wohnbereich geschlossen halten.
  • Morgens lüften: Über Nacht sammelt sich im Schlafzimmer viel Feuchtigkeit.

Wie lange sollte ich lüften?

Je kälter es draußen ist, desto schneller tauscht sich die Luft aus. Als Richtwerte für das Stoßlüften gelten:

  • Winter: etwa 5 Minuten
  • Frühjahr und Herbst: etwa 10 bis 15 Minuten
  • Sommer: etwa 20 bis 30 Minuten

Im Sommer sollten Sie Keller und kühle Räume eher in den kühlen Morgen- oder Nachtstunden lüften. Warme, feuchte Sommerluft kann sich sonst an den kalten Wänden niederschlagen.

Wie heize ich richtig?

  • Wohnräume auf etwa 20 °C, Schlafräume auf 16 bis 18 °C temperieren.
  • Räume möglichst nicht unter 16 °C auskühlen lassen – auch nicht bei Abwesenheit.
  • Kühle Räume nicht über die Tür aus wärmeren Räumen „mitheizen“: Die warme, feuchte Luft kondensiert an den kalten Wänden.
  • Heizkörper nicht mit Möbeln oder langen Vorhängen zustellen.

Was ist bei Möbeln und Wäsche zu beachten?

  • Große Möbel an Außenwänden mit einigen Zentimetern Abstand aufstellen, damit Luft zirkulieren kann.
  • Wäsche möglichst im Freien oder im gut belüfteten Trockenraum trocknen. Wenn es in der Wohnung sein muss, währenddessen regelmäßig lüften.
  • Luftfeuchtigkeit mit einem einfachen Hygrometer im Blick behalten – Zielwert 40 bis 60 Prozent.

Was ändert sich nach einem Fenstertausch?

Neue Fenster sind deutlich dichter als alte. Der unkontrollierte Luftaustausch über die Fugen entfällt, deshalb muss bewusster gelüftet werden. Bei größeren Fenstertauschen sieht die Norm DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept vor, das festlegt, wie der nötige Luftaustausch sichergestellt wird.

Was, wenn trotz richtigem Lüften Schimmel entsteht?

Dann liegt die Ursache meist in der Bausubstanz – etwa eine Wärmebrücke, eindringendes Wasser oder ein Leitungsschaden. In diesem Fall bringt mehr Lüften wenig. Ein Schimmelgutachten klärt, woher die Feuchtigkeit kommt und was dauerhaft hilft.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung sein?

Ideal sind 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit. Liegt sie dauerhaft darüber, steigt das Schimmelrisiko deutlich.

Reicht es, das Fenster den ganzen Tag zu kippen?

Nein. Kipplüften tauscht wenig Luft aus, verschwendet Heizenergie und kühlt die Fensterlaibungen aus. Mehrmals täglich kurz und kräftig stoßzulüften ist wirksamer.

Darf ich Wäsche in der Wohnung trocknen?

Wenn es nicht anders geht, ja – dann aber in einem gut beheizten Raum mit geschlossener Tür und regelmäßigem Stoßlüften, damit die Feuchtigkeit nach draußen gelangt.

Bildmarke SV-Büro A-K-H

Andreas Karl Hölzel

Geprüfter Bausachverständiger · DEKRA-zertifizierter Sachverständiger für Bauschadenbewertung · SV-Büro A-K-H in Dülmen

Schimmelgutachten

Quellen und Grundlagen

  • Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2017)
  • DIN 1946-6: Raumlufttechnik – Lüftung von Wohnungen

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