Richtig lüften im Altbau: Nutzungsverhalten, Anzahl der Bewohner und Pflanzen

Schimmel · Von Andreas Karl Hölzel · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Ausgebautes Dachgeschoss in einem Altbau

Kurz gesagt

Im Altbau hängt richtiges Lüften stark davon ab, wie das Haus genutzt wird: Kochen, Duschen, die Zahl der Bewohner und Zimmerpflanzen bringen Feuchtigkeit in die Raumluft. Besonders kritisch wird es, wenn dichte neue Fenster eingebaut wurden, ohne die Gebäudehülle anzupassen. Lüften Sie mehrmals täglich per Stoßlüftung, nach dem Kochen und Duschen sofort und behalten Sie die Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer im Blick.

Warum ist Lüften im Altbau so wichtig?

Altbauten wurden mit anderen Baustoffen und Bauweisen errichtet als heutige Häuser. Wände und Decken bestehen häufig aus Holz, Lehm oder Kalk – etwa Pliesterdecken aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Treffen diese Materialien auf moderne Lebensgewohnheiten, braucht es ein durchdachtes Lüftungsverhalten. Ohne regelmäßigen Luftaustausch bildet sich in diesen Strukturen schnell Schimmel, der die Bausubstanz angreift und die Gesundheit der Bewohner belasten kann.

Ein besonderes Risiko entsteht durch spätere energetische Maßnahmen: Werden zum Beispiel alte Fenster gegen neue mit deutlich besserem Wärmeschutz (früher k-Wert, heute U-Wert) getauscht, ohne die übrige Gebäudehülle anzupassen, fehlt der frühere „unfreiwillige“ Luftaustausch über die Fugen. Die Feuchtigkeit bleibt im Raum und schlägt sich an den nun kältesten Stellen nieder – oft an den Außenwänden.

Wie beeinflusst das Nutzungsverhalten das Lüften?

Tagesablauf, Kochgewohnheiten und Hobbys verändern die Luftfeuchtigkeit erheblich. Häufiges Kochen und Duschen – besonders in innenliegenden Bädern ohne Fenster – lässt die Feuchte schnell steigen. Wer tagsüber lange außer Haus ist, lüftet entsprechend seltener; die Luft steht, Feuchtigkeit sammelt sich.

  • Jahreszeitlich angepasst stoßlüften: idealerweise morgens und abends, im Winter kürzer, in der Übergangszeit länger.
  • Küche und Bad sofort lüften: nach dem Kochen oder Duschen das Fenster für einige Minuten ganz öffnen.
  • Schlafzimmer morgens lüften: Über Nacht sammelt sich hier besonders viel Feuchtigkeit.
  • Innenliegende Bäder: Der Lüfter muss ausreichend lange nachlaufen – sonst bleibt die Feuchte im Raum.

Welche Rolle spielt die Anzahl der Bewohner?

Je mehr Menschen in einem Haushalt leben, desto höher sind Luftfeuchtigkeit und CO₂-Konzentration – durch Atmen, Kochen, Duschen und Wäsche. Unterschätzt wird oft der Feuchtigkeitsverlust im Schlaf: Ein Mensch gibt in einer etwa achtstündigen Nacht über Atmung und Haut durchschnittlich rund 0,5 bis 1 Liter Flüssigkeit ab, in warmer Umgebung auch mehr.

Ein Vier-Personen-Haushalt braucht deshalb eine andere Lüftungshäufigkeit als ein Zwei-Personen-Haushalt. In dicht bewohnten Wohnungen sollten die Fenster mehrmals täglich für einige Minuten vollständig geöffnet werden. Ein Hygrometer zeigt, ob das reicht. Wo das nicht genügt, können Luftentfeuchter oder eine mechanische Lüftung helfen.

Pflanzen im Altbau: Hilfe oder Risiko?

Zimmerpflanzen geben über ihre Blätter Wasser an die Raumluft ab. In trockenen Wohnungen kann das angenehm sein. In Räumen mit ohnehin hoher Grundfeuchte – etwa nach einem Fenstertausch ohne Anpassung der Gebäudehülle – erhöhen viele großblättrige Pflanzen dagegen das Schimmelrisiko.

  • Robuste, genügsame Arten wählen: zum Beispiel Bogenhanf (Sansevieria), Gummibaum (Ficus elastica) oder Zamioculcas.
  • Nicht zu viel gießen: Staunässe und nasse Erde erhöhen die Luftfeuchtigkeit zusätzlich.
  • Luftfeuchte messen: In Räumen mit vielen Pflanzen regelmäßig das Hygrometer prüfen.

Wann sollte ein Sachverständiger draufschauen?

Wenn trotz konsequenten Lüftens Feuchteflecken oder Schimmel auftreten, liegt die Ursache häufig in der Bausubstanz – etwa an Wärmebrücken, eindringender Feuchte oder einem Fenstertausch ohne Lüftungskonzept. Dann hilft ein Schimmelgutachten, die Ursache zu finden. Allgemeine Lüftungstipps für jedes Gebäude finden Sie im Ratgeber Richtig lüften und heizen.

Häufige Fragen

Wie oft sollte man im Altbau lüften?

Mehrmals täglich stoßlüften, besonders morgens, nach dem Kochen und nach dem Duschen. Wie oft genau, hängt von der Zahl der Bewohner und dem Nutzungsverhalten ab – ein Hygrometer zeigt, ob es reicht (Richtwert 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit).

Warum entsteht nach dem Fenstertausch im Altbau Schimmel?

Neue Fenster sind deutlich dichter. Der frühere Luftaustausch über die Fugen entfällt, die Feuchtigkeit bleibt im Raum und kondensiert an kalten Außenwänden. Ohne angepasstes Lüftungsverhalten oder Lüftungskonzept steigt das Schimmelrisiko.

Erhöhen Zimmerpflanzen die Luftfeuchtigkeit?

Ja, über die Verdunstung an den Blättern und aus der Blumenerde. In trockenen Räumen ist das unproblematisch, in Räumen mit hoher Grundfeuchte sollten Sie Anzahl und Pflege der Pflanzen anpassen.

Bildmarke SV-Büro A-K-H

Andreas Karl Hölzel

Geprüfter Bausachverständiger · DEKRA-zertifizierter Sachverständiger für Bauschadenbewertung · SV-Büro A-K-H in Dülmen

Schimmelgutachten

Quellen und Grundlagen

  • Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2017)
  • DIN 1946-6: Raumlufttechnik – Lüftung von Wohnungen

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