Kurz gesagt
Die meisten Risse in Wänden sind feine Putz- oder Schwindrisse und optisch, aber nicht statisch relevant. Ernst nehmen sollten Sie Risse, die wachsen, durch das Mauerwerk laufen, treppenförmig oder diagonal von Fenster- und Türecken ausgehen, innen und außen an derselben Stelle auftreten oder deren Ränder gegeneinander versetzt sind. Dann sollte ein Sachverständiger die Ursache klären.
Welche Arten von Rissen gibt es?
- Haarrisse und Netzrisse im Putz: sehr fein, oft netzartig – meist durch Schwinden oder Temperaturschwankungen. In der Regel ein optisches Problem.
- Schwindrisse: entstehen, wenn Baustoffe wie Putz, Estrich oder Beton beim Trocknen schrumpfen. Typisch in den ersten Jahren nach dem Bau.
- Anschlussrisse: entlang der Fuge zwischen unterschiedlichen Bauteilen, etwa zwischen Trockenbau und Mauerwerk.
- Kerbrisse: gehen diagonal von den Ecken von Fenstern und Türen aus.
- Setzungsrisse: verlaufen häufig diagonal oder treppenförmig entlang der Mauerwerksfugen und können auf Bewegungen im Baugrund hinweisen.
Woran erkenne ich, ob ein Riss gefährlich ist?
Eine pauschale Grenze gibt es nicht. Feine Haarrisse unter etwa 0,2 Millimeter Breite sind meist unkritisch. Ein Warnsignal ist es, wenn
- der Riss breiter oder länger wird,
- er durch Putz und Mauerwerk hindurchgeht,
- er innen und außen an derselben Stelle auftritt,
- die Rissränder gegeneinander versetzt sind,
- Fenster oder Türen plötzlich klemmen,
- Feuchtigkeit durch den Riss eindringt.
Was sind typische Ursachen?
- Schwinden und Kriechen von Baustoffen,
- Temperaturbewegungen, besonders an stark besonnten Fassaden,
- unterschiedliche Setzungen, etwa bei Anbauten oder wechselndem Baugrund,
- Veränderungen im Baugrund durch Trockenheit, Wasser oder Bauarbeiten in der Nachbarschaft,
- Erschütterungen, Überlastung oder Umbauten ohne ausreichende Abfangung.
Wie beobachte ich einen Riss richtig?
- Riss mit Maßstab oder Rissbreitenlineal fotografieren und das Datum notieren.
- Rissenden mit einem feinen Bleistiftstrich und Datum markieren.
- Bei Verdacht auf Bewegung eine Gipsmarke oder einen Rissmonitor setzen lassen.
- In regelmäßigen Abständen – etwa monatlich – vergleichen und dokumentieren.
Verändert sich der Riss, sollte die Ursache durch ein Schadensgutachten geklärt werden.
Kann ich Risse einfach zuspachteln?
Erst, wenn die Ursache geklärt ist und der Riss zur Ruhe gekommen ist. Wer einen aktiven Riss überspachtelt, sieht ihn wenig später wieder – und verliert wertvolle Hinweise auf die Ursache. An der Fassade sollten Risse dagegen zeitnah fachgerecht verschlossen werden, damit kein Wasser eindringt.
Häufige Fragen
Ab welcher Breite ist ein Riss gefährlich?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Haarrisse unter etwa 0,2 Millimeter sind meist unkritisch. Entscheidend sind Verlauf, Tiefe und vor allem, ob sich der Riss verändert.
Zahlt die Versicherung Risse im Haus?
Risse durch normale Setzungen oder Schwinden sind in der Regel nicht versichert. Ob im Einzelfall eine Ausnahme greift – etwa bei Erdsenkung im Rahmen einer Elementarschadenversicherung –, hängt von Ihrem Vertrag ab.
Sind Risse im Neubau normal?
Feine Schwindrisse sind in den ersten Jahren nicht ungewöhnlich, während das Gebäude austrocknet. Breitere oder wachsende Risse sollten Sie innerhalb der Gewährleistungsfrist begutachten lassen.

Andreas Karl Hölzel
Geprüfter Bausachverständiger · DEKRA-zertifizierter Sachverständiger für Bauschadenbewertung · SV-Büro A-K-H in Dülmen
Quellen und Grundlagen
- WTA-Merkblatt 2-4: Beurteilung und Instandsetzung gerissener Putze an Fassaden




