Kurz gesagt
Eine Raumluftmessung auf Schimmelpilze ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Schimmelverdacht besteht, aber kein Befall zu sehen ist – etwa bei muffigem Geruch, nach einem Wasserschaden oder zur Kontrolle nach einer Sanierung. Dabei wird ein definiertes Luftvolumen innen und als Vergleich außen auf Nährböden gesammelt, im Labor bebrütet und ausgewertet. Bei sichtbarem Befall ist eine Messung meist nicht nötig; hier steht die Ursachenklärung im Vordergrund.
Wann ist eine Raumluftmessung sinnvoll?
- bei muffigem Geruch ohne sichtbaren Schimmel,
- bei Verdacht auf verdeckten Befall, etwa hinter Verkleidungen, unter Böden oder in Dämmschichten,
- nach einem Wasserschaden,
- zur Erfolgskontrolle nach einer Schimmelsanierung,
- wenn gesundheitliche Beschwerden einen Zusammenhang mit der Wohnung vermuten lassen.
Wann ist sie nicht nötig?
Ist der Schimmel sichtbar, muss er in der Regel nicht zusätzlich gemessen werden – so sieht es auch das Umweltbundesamt. Wichtiger ist dann, die Ursache zu finden und den Befall fachgerecht zu beseitigen. Das klärt ein Schimmelgutachten.
Wie läuft die Messung ab?
- Vorbereitung: Wir besprechen vorab, wie die Räume vorbereitet werden – etwa, dass sie vor der Messung nicht gelüftet oder gründlich gereinigt werden, damit die Ergebnisse aussagekräftig sind.
- Probenahme innen: Ein geeichter Luftkeimsammler (Lochsieb-Impaktor) saugt ein definiertes Luftvolumen an. Die Sporen prallen auf Nährböden.
- Zwei Nährböden: Wir verwenden je Messung zwei Agarplatten (MEA und DG18), damit sowohl feuchteliebende als auch trockenheitsverträgliche Schimmelpilze erfasst werden.
- Außenluftprobe: Eine Referenzmessung im Freien zeigt die natürliche Hintergrundbelastung.
- Labor: Die Platten werden bebrütet, die Kolonien ausgezählt und die Schimmelpilzarten bestimmt.
- Bericht: Nach etwa 14 Tagen erhalten Sie einen ausführlichen Bericht mit Bewertung und Handlungsempfehlungen.
Wie lese ich das Ergebnis?
Das Ergebnis wird in koloniebildenden Einheiten pro Kubikmeter Luft (KBE/m³) angegeben. Entscheidend ist der Vergleich mit der Außenluft: Liegt die Konzentration im Innenraum deutlich darüber oder finden sich innen Arten, die außen kaum vorkommen, spricht das für eine Quelle im Gebäude. Bestimmte Arten gelten zudem als typische Feuchteindikatoren.
Wo liegen die Grenzen einer Luftmessung?
Eine Luftmessung ist eine Momentaufnahme. Die Sporenkonzentration schwankt mit Jahreszeit, Wetter und Nutzung. Deshalb wird das Ergebnis immer zusammen mit der Begehung vor Ort, den Feuchtemessungen und der Bausubstanz bewertet. Bei konkretem Verdacht kann eine Materialprobe die Messung ergänzen.
Häufige Fragen
Gibt es Grenzwerte für Schimmelpilze in der Raumluft?
Gesetzliche Grenzwerte gibt es nicht. Die Bewertung erfolgt im Vergleich zur Außenluft und anhand der gefundenen Schimmelpilzarten, wie es auch der Leitfaden des Umweltbundesamtes vorsieht.
Kann ich mit einem Schnelltest aus dem Baumarkt selbst messen?
Einfache Absetzplatten zeigen nur, dass Sporen in der Luft sind – das ist praktisch immer der Fall. Für eine belastbare Aussage braucht es ein definiertes Luftvolumen, eine Außenluftreferenz und eine Laborauswertung.
Wie lange dauert die Probenahme?
Die Messung selbst dauert je Messpunkt nur wenige Minuten. Mit Begehung und Außenluftprobe sollten Sie für den Ortstermin etwas mehr Zeit einplanen.

Andreas Karl Hölzel
Geprüfter Bausachverständiger · DEKRA-zertifizierter Sachverständiger für Bauschadenbewertung · SV-Büro A-K-H in Dülmen
Quellen und Grundlagen
- Umweltbundesamt: Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden (2017)
- VDI 4300 Blatt 10: Messen von Innenraumluftverunreinigungen – Messstrategien zum Nachweis von Schimmelpilzen im Innenraum
- DIN ISO 16000-18: Innenraumluftverunreinigungen – Nachweis und Zählung von Schimmelpilzen – Probenahme durch Impaktion




